Sicherheit zu Hause
Hausnotruf oder Notrufuhr?
Die meisten Familien stellen die Frage zu spät und dann unter Druck: nach dem ersten Sturz, nach dem Anruf aus dem Krankenhaus. Dieser Ratgeber sortiert die Möglichkeiten in Ruhe, mit den echten Kosten und einer ehrlichen Grenze.
Was ein Notrufsystem leistet, und was nicht
Ein Notrufsystem hat genau eine Aufgabe: Es verkürzt die Zeit zwischen einem Notfall und der Hilfe. Das ist mehr wert, als es klingt. Bei einem Sturz mit Oberschenkelhalsbruch entscheidet die Liegezeit mit darüber, wie die Genesung verläuft. Wer stundenlang auf dem Boden liegt, kommt schlechter zurück als jemand, dem nach zehn Minuten geholfen wird.
Was ein Notrufsystem nicht kann: dafür sorgen, dass überhaupt kein Notfall passiert. Es kocht nicht, es erinnert nicht an Tabletten, es merkt nicht, dass seit drei Tagen niemand eingekauft hat. Diesen Unterschied im Kopf zu behalten, erspart Familien viel Enttäuschung.
Die drei Bauformen im Vergleich
Der klassische Hausnotruf besteht aus einer Basisstation in der Wohnung und einem Sender am Handgelenk oder als Kette. Auf Knopfdruck baut die Station eine Sprechverbindung zu einer Notrufzentrale auf. Das funktioniert zuverlässig, aber nur in Reichweite der Station, also in der Wohnung und meist noch im Garten. Vor der Haustür ist Schluss.
Die Notrufuhr trägt eine eigene Mobilfunkkarte. Sie funktioniert überall, wo Empfang ist: beim Spaziergang, im Supermarkt, bei der Nachbarin. Viele Modelle können zusätzlich telefonieren, den Standort übermitteln und einen Sturz automatisch erkennen. Das ist der entscheidende Unterschied für alle, die noch aus dem Haus gehen, und genau das tun die meisten Menschen mit Pflegegrad 1 und 2.
Smartphone-Lösungen mit Notruf-App sind die günstigste Variante und in der Praxis die unzuverlässigste. Ein Handy liegt nachts auf dem Nachttisch, nicht am Arm. Genau dann passieren die meisten Stürze. Wer eine App wählt, sollte ehrlich prüfen, ob das Gerät wirklich rund um die Uhr am Körper ist.
Was die Pflegekasse zahlt
Ein Hausnotruf gilt als technisches Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI. Seit dem 1. April 2026 übernimmt die Pflegekasse27,00 € im Monatsowie einmalig10,49 € für die Einrichtung. Vorher waren es 25,50 €.
Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein: Es braucht mindestens Pflegegrad 1, und die pflegebedürftige Person muss einen großen Teil des Tages allein sein. Der Betrag ist in allen Pflegegraden gleich, ein höherer Pflegegrad bringt hier also nichts. Bezuschusst werden nur Geräte von zugelassenen Anbietern mit einer gültigen Hilfsmittelnummer.
Wichtig für die Rechnung: Der Zuschuss deckt bei den meisten Anbietern nur das Basispaket. Zusatzleistungen wie Schlüsselhinterlegung, Sturzerkennung oder ein Bereitschaftsdienst, der tatsächlich vorbeikommt, kosten extra und werden nicht bezuschusst. Fragen Sie deshalb immer nach dem Preis mit allen Leistungen, die Sie wirklich wollen.
Abo oder einmalig: die Rechnung über fünf Jahre
Die meisten Anbieter rechnen monatlich ab. Üblich sind 25 bis 50 Euro, je nach Paket. Nach Abzug des Kassenzuschusses bleibt oft ein Eigenanteil, und über fünf Jahre summiert sich das auf 1.500 bis 3.000 Euro. Das ist bei einem Gerät, das im Idealfall nie benutzt wird, ein spürbarer Betrag.
Es gibt inzwischen auch Geräte ohne Abo. Sie kosten einmalig mehrere hundert Euro und danach nichts mehr. Der Unterschied liegt darin, wohin der Alarm geht: Beim Abo-Modell landet er bei einer besetzten Notrufzentrale, die rund um die Uhr abnimmt und im Zweifel den Rettungsdienst schickt. Beim abofreien Gerät geht er direkt an hinterlegte Angehörige.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht der Preis, sondern die Erreichbarkeit.Wenn Kinder oder Nachbarn zuverlässig ans Telefon gehen und im Notfall in wenigen Minuten da sein können, ist ein Gerät ohne Abo die wirtschaftlichere Wahl. Wenn niemand in der Nähe wohnt oder alle im Schichtdienst arbeiten, ist die besetzte Zentrale ihr Geld wert.
Der ehrliche Test: Reicht ein Notrufsystem noch?
Gehen Sie diese sechs Fragen für Ihren Angehörigen durch. Jedes Ja spricht dafür, dass ein Notrufknopf allein nicht mehr genügt.
- Bleiben Mahlzeiten aus oder steht Verdorbenes im Kühlschrank?
- Werden Medikamente vergessen, doppelt genommen oder liegen ungeöffnet herum?
- Hat sich der Zustand der Wohnung in den letzten Monaten sichtbar verändert?
- Gab es mehr als einen Sturz im letzten halben Jahr?
- Würde Ihr Angehöriger den Knopf im Ernstfall wirklich drücken, oder sagt er „ich will niemanden stören"?
- Rufen Sie selbst mehrmals täglich an, weil Sie sich sonst nicht beruhigen können?
Ein bis zwei Ja: Ein Notrufsystem ist genau richtig, dazu vielleicht ein ambulanter Dienst für einzelne Handgriffe.
Drei bis vier Ja: Der Notruf bleibt sinnvoll, reicht aber nicht mehr allein. Jetzt lohnt sich das Gespräch über Tagespflege oder stundenweise Betreuung.
Fünf oder sechs Ja: Hier fehlt Anwesenheit, nicht Technik. Ein Knopf löst das nicht.
Wenn Technik nicht mehr reicht
Der Übergang ist selten ein Ereignis, sondern ein Schleichweg. Erst der Notrufknopf, dann die Nachbarin, die zweimal die Woche schaut, dann die Tochter, die jedes Wochenende vierzig Kilometer fährt. Irgendwann tragen alle mehr, als sie sich eingestehen.
An diesem Punkt ist eine 24-Stunden-Betreuung oft die Lösung, an die zuletzt gedacht wird, obwohl sie am nächsten liegt: Eine Betreuungskraft lebt im Haushalt, ist Tag und Nacht da und übernimmt genau das, was ein Notrufsystem nicht kann. Der Alltag bleibt zu Hause, und die Familie wird wieder Familie statt Pflegedienst.
Was das kostet und welche Zuschüsse es gibt, haben wir in unseremKostenüberblickzusammengestellt. Und wenn Sie noch mitten in der Vorsorge stehen, hilft unserNotfallplan für Senioren weiter.
Stand der Angaben: 04.08.2026. Beträge der Pflegekasse können sich ändern; maßgeblich ist immer die Auskunft Ihrer Pflegekasse. Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Der Hinweis auf das One Button Phone ist eine Empfehlung aus eigener Einschätzung.