Daten-Studie · Stand Juli 2026
Pflege-Report Kreis Wesel: Fast jeder zehnte Mensch ist pflegebedürftig
Der Kreis Wesel liegt bei der Pflegebedürftigkeit deutlich über dem Landesdurchschnitt, und die amtliche Modellrechnung zeigt: Es werden noch einmal zehntausend Menschen mehr. Wir haben die neuesten Zahlen der amtlichen Statistik für den Kreis Wesel ausgewertet und eingeordnet. Alle Zahlen dürfen mit Quellenangabe frei verwendet werden.
Die Lage heute: Kreis Wesel liegt über dem NRW-Schnitt
Zum Stichtag im Dezember 2023 zählte die amtliche Pflegestatistik 44.800 pflegebedürftige Menschen im Kreis Wesel. Bei rund 459.000 Einwohnern entspricht das einer Pflegequote von 9,8 Prozent, also fast jedem zehnten Menschen. Nordrhein-Westfalen insgesamt liegt bei 7,6 Prozent (1,39 Millionen Pflegebedürftige). Der Kreis Wesel gehört damit zu den Regionen, in denen das Thema Pflege überdurchschnittlich viele Familien betrifft. Ein wesentlicher Grund ist die Altersstruktur am Niederrhein.
Die Pflege findet zu Hause statt, meist ohne professionelle Hilfe
Landesweit werden 87,8 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. 59 Prozent beziehen ausschließlich Pflegegeld, das heißt: Die Pflege wird komplett von Angehörigen getragen, ohne ambulanten Dienst. Überträgt man diese Quoten auf den Kreis Wesel, werden hier rund 39.300 Menschen zu Hause gepflegt, davon etwa 26.400 ausschließlich durch ihre Familien.* 17,3 Prozent der Pflegebedürftigen in NRW nutzen ambulante Dienste, nur 12,2 Prozent leben vollstationär im Heim.
Prognose: Bis 2050 kommen über 10.000 Pflegebedürftige dazu
Die amtliche Pflegemodellrechnung für NRW rechnet für den Kreis Wesel mit 54.900 Pflegebedürftigen im Jahr 2050, ein Plus von 22,5 Prozent gegenüber 2023. Damit wächst der Bedarf im Kreis Wesel schneller als im Landesdurchschnitt (+20,8 Prozent). Landesweit steigt der Bedarf an ambulanter Versorgung dabei am stärksten (+28 Prozent), gefolgt von stationärer Pflege (+33 Prozent bei bereits heute knappen Heimplätzen) und Pflegegeld-Haushalten (+18 Prozent).
Was das für Familien am Niederrhein bedeutet
Die Zahlen zeigen zwei Dinge. Erstens: Pflege ist im Kreis Wesel kein Randthema, sondern betrifft statistisch jede dritte bis vierte Familie. Zweitens: Der Großteil dieser Arbeit wird still von Angehörigen geleistet, oft neben Beruf und eigenem Alltag. Mit dem prognostizierten Anstieg wird der Druck auf pflegende Familien weiter wachsen, während Heimplätze und ambulante Dienste bereits heute vielerorts an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Entlastungsmodelle wie Verhinderungspflege, Tagespflege und häusliche 24-Stunden-Betreuung werden damit für immer mehr Haushalte zur zentralen Frage.
Quellen und Methodik
- IT.NRW (Landesbetrieb Information und Technik NRW): Pflegestatistik NRW, Stichtag Dezember 2023 (neueste verfügbare amtliche Erhebung, zweijährlich)
- IT.NRW: Pflegemodellrechnung NRW 2024 bis 2050 (Kreisergebnisse; Modellrechnung unter Annahme konstanter Pflegequoten)
- Einwohnerzahl Kreis Wesel: IT.NRW Kommunalprofil (458.909 zum 01.01.2023)
- * Mit Stern markierte Werte sind eigene Berechnungen der Betreuung Heiligenpahl auf Basis der genannten amtlichen Quellen (NRW-Quoten auf den Kreis Wesel übertragen, gerundet).
Alle Zahlen und Grafiken dürfen für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden. Als Quelle genügt: „Pflege-Report Kreis Wesel, Betreuung Heiligenpahl" mit Link auf diese Seite. Presseanfragen: [email protected]
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